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Autor: wastian

Zum Tod von Jürgen Habermas und Alexander Kluge

„Gerade in der Krise der Aufklärung kann man sich keine Mutlosigkeit leisten.“ So Alexander Kluge in einem Interview in der Zeit (13/2026) zum Tod von Jürgen Habermas. Er denkt dabei laut über die gesellschaftlichen Herausforderungen angesichts autoritärer Tendenzen in der Gesellschaft und angesichts einer Öffentlichkeit in der Krise nach. In diesem Satz kommt ein „Trotzdem“ oder „trotz aller Widernissen“ zur Sprache. Denn die Mutlosigkeit – das Bangemachen – käme einer Selbstaufgabe gleich. Und so hält sich Alexander Kluge, der 70 Jahre ein Weggefährte Jürgen Habermas war, nach seinem Tod an diesen Impuls des „Weitermachens“. Wenige Tage später ist auch Alexander Kluge gestorben.

Zum im Wartebereich hängenden Bild in der Praxis

„Mein Flügel ist zum Schwung bereit
ich kehrte gern zurück
denn blieb‘ ich auch lebendige Zeit
ich hätte wenig Glück.
Gerhard Scholem, Gruß vom Angelus

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Träummerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.

Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte, XI

Vorlesungsankündigung Sommersemester 2026

Im Sommersemester 2026 biete ich an der KU Linz die Vorlesung „Was ist der Mensch? Psychoanalytische Anfragen an die philosophische Anthropologie“ an. Ausgangspunkt soll dabei die klassische Frage nach dem Wesen des Menschen sein. Nach einer bekannten Einteilung Immanuel Kants beschäftigt sich die Philosophie mit den Fragen „Was kann ich wissen?“, „Was soll ich tun?“, „Was darf ich hoffen?“ und „Was ist der Mensch“? Dabei soll die letzte Frage sich aus den Antworten auf die ersten drei Fragen ergeben. Die Fähigkeit das Leben nach Vernunftgründen auszurichten ist dabei ein zentraler Aspekt. Dieses philosophische Verständnis des Menschen wird durch die Grundannahmen der Psychoanalyse in Frage gestellt. Die Vorlesung, die jeweils freitags zwischen 17.4.2026 und 29.5.2026 als Blockveranstaltung von 11 bis 15 Uhr stattfindet, wird diesen Anfragen der Psychoanalyse an die philosophische Anthropologie nachgehen.